Bondora Go & Grow neues Investmentlimit

Bondora Go & Grow neues Investmentlimit

Bondora erhöht das Investmentlimit für Investoren seines “Go & Grow”-Programms von bisher 400 auf nun 1.000 Euro. Welches Signal damit an uns Anleger gesendet wird und ob die Corona-Krise für P2P-Kredite jetzt vorbei ist, erfährst du hier!

Bondora und die Corona-Krise

Die Corona-Pandemie sorgte 2020 für eine vergleichsweise kurze Krise, auf die eine sehr lange Phase allgemeiner Ungewissheit in der Wirtschaft und Finanzwelt folgte. Obwohl P2P-Kredite vergleichsweise gut durch diese schwierige Zeit kamen, mussten die verschiedenen Anbieter immer wieder entsprechende Maßnahmen zur eigenen Absicherung ergreifen. 

Investmentlimit

Bondora ging dabei besonders umsichtig vor und führte im Dezember 2020 ein Einzahlungslimit von 400 Euro pro Monat ein. Dieser Schritt half, das eigene Portfolio zu konsolidieren und die Risiken eines schnellen Wachstums zu verringern – sorgte aber bei den Anlegern verständlicherweise für Unmut: Investieren zu wollen, jedoch nicht zu dürfen, ist ein sehr ungewohntes Gefühl! 

Mit diesem Schritt ließ sich Bondora einiges an Kapital entgehen, konnte aber die auf die direkte Krise folgende Zeit gut überstehen. Als eine der ältesten Plattformen für Privatkredite erfreut man sich, trotz des unangenehmen Limits, weiterhin großer Beliebtheit. Insbesondere das Go & Grow Programm, bei dem das eigene Investment mit festen 6,75 % verzinst wird und jederzeit erreichbar bleibt, ist sehr gefragt – Der Erfolg gibt dem Unternehmen also recht.

Die Bondora Strategie: Konservativ in P2P investieren

Bondora verfolgt eine, für das junge und progressive P2P-Umfeld sehr ungewöhnliche Strategie: Trotz hoher Nachfrage möchte man nicht um jeden Preis wachsen, sondern verfolgt eine konservative Strategie, bei der man auf Sicherheit setzt.

Im Northern Finance Podcast hat Bondora’s Vice President of Product Matt Clanican zu dieser Strategie weitere Details durchblicken lassen. Schon damals, bei der Einführung der Limits im Dezember 2020, sei die Nachfrage nach den Krediten enorm gewesen. Man wollte jedoch mindestens bis zum Sommer 2021 mit der Aufhebung warten, um ausreichend Daten zu sammeln – so Clanican. 

Mit der aktuellen Anhebung des Limits zeigt sich, dass Bondora dieser Strategie gefolgt ist und aus den erhobenen Informationen entsprechende Schlüsse gezogen hat. Sicherlich hat man sich die Entscheidung, von nun an 1.000 Euro pro Monat einzahlen zu können (und nicht etwa das Limit ganz aufzuheben) nicht einfach gemacht. 

Gründe für die Limit-Anhebung

Zu den genauen Gründen, weshalb Bondora das Limit jetzt anhebt und nicht etwa ganz abschafft oder bei den bisherigen 400 Euro belässt, hält man sich von Unternehmensseite bedeckt. Aus meiner Sicht kommen jedoch folgende Ursachen infrage:

1. Bondora verlor Investoren, Kreditvolumen und Marktposition

Die Bondora-Strategie, auf Nummer sicher zu gehen, ist sicherlich nicht völlig falsch gewesen; sie hatte jedoch negative Auswirkungen auf das Geschäft. So sank in den letzten Monaten das vergebene Kreditvolumen drastisch und blieb hinter den großen Konkurrenten wie Mintos oder Peerberry weit zurück. 

Es ist zu vermuten, dass man bei Bondora einfach nicht länger auf ein Wachstum verzichten möchte – die zuletzt erzielten 7 % Steigerung müssen, im schnelllebigen P2P-Umfeld, durchaus als Stagnation bezeichnet werden. 

Tatsächlich konnte, parallel zur Anhebung des Investitionslimits, auch die Anzahl der vergebenen Kredite massiv erhöht werden. Sie liegt nun 47 % über dem Vormonat, bei 18 Millionen Euro. In der nächsten Zeit dürfen wir uns sicher über weiteres Wachstum freuen. 

Investmentlimit

2. Die Zahlen der Kreditnehmer sind nicht so schlecht wie befürchtet

Der Ausfall einer großen Anzahl an Kreditnehmern ist ein Alptraum für jede P2P-Plattform: Das Geschäft mit Privatkrediten geht immer mit einer gewissen Menge an Verlusten einher, da nicht alle Rückzahlungen im vereinbarten Zeitraum geleistet werden können und von einigen Kunden sogar überhaupt nichts mehr zurückkommt.

Zu Beginn der Corona-Krise vermutete man bei Bondora (wie auch bei anderen Plattformen), dass die Anzahl solcher Ausfälle steigen könnte und setzte unter anderem deshalb auf Nummer sicher: Einführung des Einzahlungslimits und Begrenzung der vergebenen Kredite, um nicht in eine Schieflage zu geraten. 

Scheinbar haben die erhobenen Daten der letzten Monate nun aber ergeben, dass sich diese Befürchtungen nicht bewahrheitet haben und die Kreditnehmer besser sind, als erwartet. Wie schon im Podcast-Interview im Dezember 2020 klargemacht wurde, betrachtet Bondora diesen Aspekt nämlich als wichtigsten Faktor bei der Frage nach weiteren Sicherheitsmaßnahmen. 

Ist die Krise jetzt vorbei?

Es ist ungewiss, ob Bondora die Krise als beendet ansieht oder schlicht nicht mehr auf Wachstum verzichten will (oder kann?). Die Daten der Kreditnehmer hinsichtlich Ausfälle und Zahlungsverzögerung waren stets das wichtigste Kriterium laut Aussage des Unternehmens. 

Man kann aus dem aktuellen Vorgehen also schließen, dass diese Daten entsprechend gut genug aussehen, um das Anheben des Investitionslimits zu rechtfertigen. Die Kernmärkte Spanien, Estland und Finnland scheinen sich also ausreichend stabilisiert zu haben. 

Gleichzeitig besteht jedoch auch die Möglichkeit, dass man bei Bondora nicht länger auf Nummer sicher gehen kann oder will. Verglichen mit dem teilweise gewaltigen Wachstum anderer Plattformen lief man mittelfristig Gefahr, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

Es lässt sich also nicht abschließend sagen, ob die Krise bei Bondora nun wirklich völlig überwunden ist, oder ob die eigenen Interessen nun die Sicherheitsbedenken überwiegen. Anhand der Daten anderer Anbieter für Privatkredite lässt sich jedoch ablesen, dass sich tatsächlich eine allgemeine Beruhigung abzeichnet. 

Klar ist: Bondora hat sich während der Krise als eher konservative Plattform positioniert. Während zahlreiche Investoren durch das Investitionslimit frustriert wurden, gab es zeitgleich auch viele andere Anleger, denen genau dieses sichere Vorgehen sehr gefallen hat und die in Zukunft gezielt bei einem solchen Anbieter investieren wollen. 

Mein Fazit: Was bedeutet das Investmentlimit für uns Investoren?

Bondora schaltet endlich in den Turbo und hebt das sehr restriktive Investitionslimit von 400 Euro auf jetzt 1.000 Euro an. Wäre diese Entscheidung in meiner Hand gelegen, hätte ich diesen Schritt schon deutlich früher getätigt – andere Plattformen konnten etwa bereits im Frühjahr erfolgreich zur Normalität zurückkehren. 

Nichtsdestotrotz ist die Anhebung zu begrüßen, da Bondora damit Stück für Stück zur alten Attraktivität zurückkehrt. Obwohl die Tatsache, dass das Limit nicht völlig entfernt wurde, etwas schmerzt, sind die Zukunftsaussichten rosig. 

Ich rechne hier mit starkem Wachstum des vergebenen Kreditvolumens und letztlich der ganzen Plattform. Durch die eigene Positionierung als konservativer und sicherheitsbewusster P2P-Anbieter hat man sich eine zusätzliche Nische im Markt für Privatkredite geschaffen, denn viele Anleger sind auf der Suche einer solchen Plattform. 

Wie immer handelt es sich hier um eine Analyse des P2P-Marktes, die auf meinen eigenen Meinungen und Ideen fußt – dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und ich spreche keine Empfehlung für oder gegen ein Investment aus! Solltest du dich für eine Anlage bei Bondora interessieren, musst du selbst die entsprechende Recherche betreiben und eine Entscheidung treffen.

Zu wenig Rendite? Meine unabhängige Beratung kann helfen:

0 0 votes
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Northern Finance
Logo
Enable registration in settings - general
Compare items
  • Total (0)
Compare
0