Deine Kryptos gehören dir nicht! Celsius und Voyager Pleite

Deine Kryptos gehören dir nicht! Celsius und Voyager Pleite

Anfang Juli sind die zwei großen Krypto-Plattformen Celsius Network und Voyager pleitegegangen. Die Anbieter versuchen nun, die Einlagen der Investoren für ihr eigenes Insolvenzverfahren zu nutzen und ihre Kunden somit zu enteignen. Wieso das ein großes Problem für den Krypto-Markt der Zukunft darstellen könnte, das erfährst du in diesem Artikel.

Darum geht’s:

  • Wie konnte es zu einer Pleite der Krypto-Anbieter kommen?
  • Womit haben Voyager und Celsius ihre Kunden eiskalt belogen?
  • Und was lehrt uns dieser Vorfall über zukünftige Investments?

Wem gehören meine Investments eigentlich?

Als Buy-and-Hold-Anleger, der sein Geld auf lange Frist investiert, ist eine Frage essenziell für den zukünftigen Erfolg: „Wem gehören meine Vermögenswerte überhaupt?“.

Ob Aktien, ETF, P2P-Kredite, Immobilien oder Kryptowährungen; die Frage nach den Eigentumsverhältnissen kann entscheidende Auswirkungen auf den Erfolg der Investitionen haben. 

Grundsätzlich gilt, was Anleger kaufen, gehört ihnen auch – ein fundamentales Konzept. Aber ebendieses Konzept wird derzeit in der Welt der Kryptowährungen immer häufiger infrage gestellt.

Krypto-Pleite Nr. 1: Voyager

Ende Mai 2022 hat der Anbieter für Kryptowährungen „Voyager“ bekannt gegeben, mehr als 3,5 Mio. verifizierte Nutzer zu haben und dass auf mehr als eine Million Nutzer Gelder vorhanden seien. Nur eine kurze Zeit später hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet, wodurch jetzt rund 1,3 Mrd. Dollar an Krypto-Vermögen auf dem Spiel stehen. 

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Voyager war eine der bekanntesten Krypto-Börsen der Welt und sogar an der Börse gelistet, wenn auch in Kanada und nicht im Heimatmarkt in den USA. Bei einem Blick auf das folgende Chart wird ersichtlich, dass das Unternehmen seit seinem Börsengang im September 2021 mehr als 98 % seines Wertes verloren hat. 

Heute ist Voyager nur noch 65 Mio. Dollar wert. Während des Hochs im November 2021 waren es noch über 3,4 Mrd. Dollar. Das ist in etwa der Wert von „Fraport“, dem größten Flughafen-Betreiber in Deutschland und Europa.

Anleger auf Voyager, aber auch Celsius Network, können mittlerweile ihre Kryptos nicht mehr von der Plattform abziehen und auch nichts mehr darauf einzahlen. Auch der Handel von Kryptowährungen ist nun nicht mehr möglich. Das bedeutet, Anleger haben aktuell keinen Zugriff mehr auf ihr eigenes Geld. Stattdessen benutzt Voyager die Einlagen ihrer Kunden als Insolvenzmasse. 

Doch wie kam es überhaupt zu dieser Insolvenz? Sehen wir uns die Auslöser einmal genauer an. 

Auslöser der Insolvenz von Voyager

Auslöser für die Insolvenz von Voyager waren in erster Linie die hochriskanten Geschäftspraktiken des Unternehmens selbst. Voyager hat seinen Investoren ausgesprochen lukrative Zinsen für ihre Kryptos versprochen, wie auch in folgender Grafik zu sehen ist.

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Auf den US-Dollar Coin gab es mitunter Zinsen in Höhe von 8,5 %, auf Bitcoin 5,5 % und Ethereum 4 % und das, obwohl es sich bei dieser Anlageklasse um keine produktive Geldanlage handelt, die keine Dividende abwirft – ähnlich wie Gold. 

Wie kann Voyager seinen Anlegern dennoch solch hohe Renditen ermöglichen? Das Unternehmen schaffte das, indem es die Kryptowährungen seiner Anleger verlieh, wie auch in folgender Pressemitteilung zu lesen ist.

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Die Vorgehensweise dieser Art von Vermögensmanagement trug laut Voyager ein niedriges Risiko und hatte sogar die Widerstandskraft, um Bärenmärkte locker zu überstehen. Das ging zumindest aus einem ihrer Twitter-Posts hervor.

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Doch wie sich nun herausgestellt hat, waren diese Behauptungen schlichtweg gelogen. Das ist meiner Meinung nach auch wenig überraschend, denn es gibt keine Möglichkeit solch hohe Renditen von 4 bis 8,5 % bei gleichzeitig niedrigem Risiko einzufahren – vor allem nicht bei Kryptowährungen. Es gibt eben kein geschenktes Geld und keine geschenkte Rendite.

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Voyager hat in der Vergangenheit auch öffentlich damit geworben, dass die US-Dollar Einlagen der Investoren auch im „seltenen Fall“ einer Insolvenz der Firma geschützt seien. Sie würden bei der Metropolitan Commercial Bank gehalten und somit Einlagen bis zu einer Höhe von 250.000 Dollar schützen.

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Doch im Nachhinein waren auch diese Behauptungen falsche Werbung, denn in Punkt 5 der Nutzungsvereinbarungen von Voyager steht das genaue Gegenteil festgeschrieben. Hier gibt das Unternehmen deutlich an, dass der Einlagenschutz nur dann greift, wenn die Metropolitan Commercial Bank selbst pleitegeht und explizit nicht, wenn dies Voyager geschieht.

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Mittlerweile hat Voyager die trügerische Wortwahl auf ihrer Website angepasst, sodass nun deutlicher hervorgeht, dass der Schutz nur bei Insolvenz der Bank selbst in Kraft tritt. Dennoch ermittelt nach diesem Vorfall jetzt die US-Einlagensicherung gegen Voyager.

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Und wenn das alles nicht bereits genug wäre, so steht nun auch noch der große Verdacht im Raum, dass Voyager beim Insolvenzantrag bewusst falsche Angaben gemacht hat. Das Unternehmen hat nämlich eine Insolvenz nach dem sogenannten „Chapter 11“ beantragt, eine klassische Insolvenz in den USA, in der die Schulden neu strukturiert werden. Jedoch hat Voyager im Insolvenzantrag nicht angekreuzt, ein Broker zu sein.

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Sollte Voyager selbst als Broker auftreten, so dürften sie auch nicht die Mittel ihrer Kunden verwenden, um die eigenen Schulden neu zu strukturieren. Das Unternehmen tut demnach so, als hätten Investoren Voyager ihre Kryptos als ungesicherten Kredit gegeben, wodurch sie im Falle einer Insolvenz keinen Anspruch mehr darauf hätten. 

Bei einem tatsächlichen Broker wäre das nicht der Fall. Hier wären nämlich die Einlagen der Kunden im Falle einer Insolvenz besonders geschützt und könnten nicht als Insolvenzmasse genutzt werden. 

Wir sehen also, dass Voyager seit Anfang an seine Kunden getäuscht hat, indem sie bewusst als Broker aufgetreten sind, obwohl das scheinbar nie der Fall war. Die Konsequenzen dafür sollen nun die Anleger der Plattform tragen – eine Schande.

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Inmitten des Chaos gibt es jedoch eine gute Nachricht für europäische Investoren, denn Voyager hat zwar geplant nach Europa zu expandieren, doch dieses Vorhaben wurde noch nicht umgesetzt und wird höchstwahrscheinlich nach all diesen Vorwürfen auch nie geschehen. 

Ein Krypto-Anbieter, der jedoch sehr aktiv im europäischen Raum war, ist Celsius. Auch hier gab es vor kurzem eine Pleite, die wir uns mal genauer ansehen. 

Krypto-Pleite Nr. 2: Celsius Network

Auch rund um den Anbieter Celsius Network gab es in letzter Zeit viele Turbulenzen. Die Krypto-Einlagen der Kunden wurden auf der Plattform zu ähnlichen Zinssätzen wie bei Voyager vergütet, doch auch Celsius musste nun nach Chapter 11 Insolvenz beantragen.

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Genau wie im Fall von Voyager möchte sich auch Celsius aus dem Schneider machen und tritt im Insolvenzantrag nicht als Broker auf. Im selben Atemzug behauptet das Unternehmen noch, es hätte sich über die letzten Jahre erfolgreich in der Krypto-Industrie positioniert und würde durch den Insolvenzantrag den Wert für alle Betroffenen maximieren. 

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Das ist in meinen Augen purer Hohn!

Was bedeutet die Krypto-Pleite für Anleger?

Ob Anleger auf den beiden Plattformen Voyager und Celsius Network ihr Geld wieder sehen werden, wird sich vermutlich noch herausstellen. Für mich ist dieser Vorfall ein klarer Grund jegliche Krypto-Plattformen genau unter die Lupe zu nehmen und nur über deutsche Anbieter zu investieren, die:

  1. keine Kredite vergeben
  2. keine Zinsen auf sonst zinsfreie Kryptos geben
  3. und meine Coins in einer Cold Wallet verwahren.

Fazit: Naive Investoren sind schlechte Investoren

Die Pleiten von Voyager und Celsius Network verdeutlichen einmal wieder, wie riskant vermeintlich sichere Investments in Kryptowährungen sein können. Als Anleger solltest du dir immer bewusst machen, dass es keine geschenkten Zinsen und keine geschenkte Rendite gibt. Ich persönlich habe noch nie in solche Angebote investiert und werde das auch nicht in Zukunft tun, denn Warren Buffett sagte bereits:

„Investiere nur in Dinge, die du auch verstehst.“ – und Krypto-Lending habe ich definitiv noch nicht durchblickt. An dieser Stelle wirf doch mal einen Blick in das Buch des Investment-Moguls „Das Leben ist wie ein Schneeball“. Ich bin mir sicher, dass auch du daraus einen Mehrwert für deine zukünftigen Investments mitnehmen wirst.

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