Kommt mit Evergrande die nächste Finanzkrise aus China?

Kommt mit Evergrande die nächste Finanzkrise aus China?

2008 stürzten riskante Spekulationen auf Immobilien die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Pleite und mit ihr das gesamte Finanzsystem in eine tiefe Krise. Jetzt, 13 Jahre später, gibt es Anzeichen dafür, dass sich das Ganze wiederholen könnte, dieses Mal aber auf dem chinesischen Markt. Worum geht es? Konkret um den zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler Evergrande. Seit Anfang des Jahres ist der Kurs von Evergrande um mehr als 80 Prozent gefallen. 

Zur besseren Größenordnung hier einmal ein paar Fakten. Zurzeit befinden sich Immobilien von Evergrande in der Bauphase, deren Fläche drei Viertel von Manhattan bedecken kann. Klingt nach sehr viel, steht aber als zweitgrößtes Immobilienunternehmen im China an der Tagesordnung.

Über eine Million Menschen warten auf ihre bezahlten Wohnungen

Das bedeutet, um es präziser zu formulieren, dass mehr als eine Million Menschen zurzeit auf eine Wohnung von Evergrande warten, die sie schon längst bezahlt haben. Das Problem ist aber, dass es einen Baustopp gibt. Und das erinnert an die Finanzkrise aus den USA, denn Evergreen ist hoch verschuldet. Anders aber als auf dem US-Markt, wo vergebene Kredite Kern des Problems gewesen sind, hat sich Evergrande hier selbst verschuldet und nicht die Konsumenten.

Die spannende Frage ist also: Wie sehr können chinesische Investoren Immobilienfirmen und noch vertrauen, wenn die Nummer zwei auf dem Markt scheitert? Immobilien sind höchstwahrscheinlich die größte Blase im Reich der Mitte und bergen enorme Risiken, wenn es zu einem dauerhaften Abschwung auf dem Markt kommt.

Und trotz Unterschiede in der Verschuldung, könnten die Konsequenzen ähnlich wie in den USA sein. Denn aktuell greift die chinesische Regierung nicht ein und rettet weder die Firma noch ihre Anleger und auch die Besitzer der im Bau befindlichen Immobilien nicht. 

Ein Scheitern ist also gar nicht abwegig. Damit es nicht dazu kommt, hat der Konzern versucht, seine Beteiligung am E-Autohersteller Hengchi und Evergrande Property Services zu verkaufen, um die Liquidität zu sichern. Leider, sind genau diese beiden Vorhaben gescheitert. Dazu kommt, dass auch keine Anleihen von Evergrande mehr gehandelt werden dürfen, nachdem das Credit Rating gesenkt wurde.

Schulden so hoch wie der deutsche Staatshaushalt

Bedeutet im Umkehrschluss, dass mehr als 300 Milliarden Dollar an Anleihen aktuell ungedeckt sind. Wer einen Vergleich braucht, wie hoch diese Summe ist: Das ist fast so viele, wie der deutsche Staatshaushalt 2019 vor Corona. Aktuell ist die Anleihe von Evergreen mit 9,5 Prozent verzinst und soll noch bis zum nächsten Jahr laufen. Man verkauft also deutlich unter Wert, da man davon ausgeht, sowieso nur noch einen Bruchteil davon wiederzubekommen. 

Das ist nicht nur schlecht für Investoren, sondern vor allem für die Immobilienpreise in China. Denn wer weiß, zu welchen höheren Zinssätzen chinesische Banken demnächst Immobilien finanzieren oder andere Firmen, die ebenfalls hohe Schulden haben. Wird es also zu einem Crash kommen? Das bleibt abzuwarten. 2015 hat die chinesische Regierung alle Hebel in Bewegung gesetzt, um einen Crash zu vermeiden und auch hier wird sie wahrscheinlich erneut eingreifen. 

2015 hat sie Wetten auf fallende Kurse verboten das sogenannte „shorten“. Alle Pensionskassen wurden angewiesen jetzt zu kaufen. Broker wurden mit Liquidität von der Zentralbank ausgestattet und von der staatlichen Presse wurde zum Kauf von Aktien auf breiter Front geraten. 

Denn im Gegensatz zu unseren westlichen Aktienmärkten sind in China 80 Prozent der Anleger Gelder von Privatleuten. Das hat funktioniert und die chinesischen Aktienmärkte sind schnell wieder in die grünen Zahlen gekommen. Allerdings entsteht daraus auch eine Gefahr, denn der Staat kann nicht jedes Mal von der Pleite bedrohte Konzerne retten.

Nicht nur Evergrande hat Probleme

Was passiert ist als Nächstes? Und das ist die große Frage, denn mittlerweile weitet sich die Krise unter chinesischen Immobilienunternehmen immer weiter aus. Nachdem Evergrande am 23. September Zinszahlungen von rund 120 Millionen Dollar nicht leisten konnte, sind auch die kleineren Unternehmen betroffen.

Darunter fallen Fantasia, die fällige Anleihezinsen von 206 Millionen Dollar nicht auszahlen konnten, sowie ein Tochter-Unternehmen, das nicht in der Lage war, einen Kredit über 108 Millionen an den Immobilienmanager Country Garden Services zu bedienen. Daraufhin wurde das Rating von Fantasia um mehrere Stufen runter gesenkt.

Und auch Wettbewerber Sinic wurde runtergestuft. Zwar sei das Unternehmen, stand heute, noch liquide aber die Mittel zu Schuldenbedienung seien fast erschöpft. Auch wenn Fantasia und Sinic deutlich kleiner sind als der Gigant Evergrande, die Probleme befeuern die Sorgen von Anlegern, dass die Blase am chinesischen Immobilienmarkt vor dem Platzen steht.

Das Problem ist, dass viele Immobilienfirmen in China in einem Teufelskreis stehen. Zu einem Mal bekommen sie derzeit keine Kredite mehr zur Refinanzierung, und auf der anderen Seite ist die Möglichkeit Kapital durch Immobilienverkäufe zu generieren, deutlich gesunken. 

Fazit: Die Zeichen für eine Finanzkrise verdichten sich

Im Moment kann noch niemand wirklich abschätzen was in den nächsten Wochen passieren wird. Die Situation sieht für chinesische Immobilienunternehmen sieht immer schlimmer aus. Viele befürchten eine Kettenreaktion, die letzten Endes zum Platzen der Blase führt. 

Evergrande alleine hat Schulden von mehr als 300 Milliarden Dollar und bräuchte fünf Milliarden, um Verpflichtungen gegenüber Gläubigern in den nächsten sechs Monaten nachzukommen. Bis Ende 2021 stehen noch rund 500 Millionen Dollar Zinsen an und im März eine Rückzahlung für eine zwei Milliarden schwere Anleihe. 

Ob und wie sich eine chinesische Finanzkrise aus dem Immobiliensektor auf Europa auswirken würde, kann noch keiner beurteilen. Experten gehen zurzeit aber noch davon aus, dass die europäischen Märkte kaum davon etwas zu spüren bekommen.

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