Wahlprogramm der CDU: Auswirkungen auf Anleger + Aktionäre

Wahlprogramm der CDU: Auswirkungen auf Anleger + Aktionäre

Als Anleger interessiert uns, was Deutschlands größte Partei, die CDU, für den Fall einer Regierungsbeteiligung plant. Heute wollen wir daher genau analysieren, was das Wahlprogramm der CDU für unsere Investments bedeuten würde.Wenn du an solchen Analysen und Informationen für Anleger interessiert bist, solltest du außerdem einen Blick in unser Forum für Privatkredite werfen. Dort kannst du dich mit anderen Anlegern austauschen und sicher noch etwas dazulernen!

Steuerpläne der CDU

Ohne große Umwege wollen wir direkt mit den Inhalten des Wahlprogramms starten. Viele der dort enthaltenen Punkte befassen sich mit unterschiedlichen Steuern, für die die CDU/CSU generell Senkungen anstrebt. “Entlastung statt Belastung” ist der aktuelle Leitspruch der Partei.

Unternehmenssteuer

Die Belastung von Unternehmen möchte die Union durch eine Deckelung der Unternehmenssteuer reduzieren. Dabei sollen Gewinne, die im Unternehmen verbleiben, nur noch mit maximal 25 % besteuert werden – aktuell liegt dieser Wert bei 30 %. 

Bei diesen Plänen sollen alle Unternehmensformen, also Einzelunternehmen, Personen- oder Kapitalgesellschaft gleichgestellt werden. Das Ziel hinter dieser Steuergrenze ist, laut Partei, den Unternehmen mehr Möglichkeiten für Investitionen und Innovationen zu bieten.

Solidaritätszuschlag  

Auch beim Soli möchte man die Belastung für die Bürger reduzieren und diese Abgabe komplett entfernen. Dabei soll allerdings schrittweise vorgegangen werden. Zusätzlich wird im gleichen Atemzug die Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen versprochen. 

Wie genau eine solche Entlastung in der Praxis aussehen soll, wird im Wahlprogramm leider nicht erwähnt. Auch zum genauen Zeitplan der Soli-Abschaffung hält man sich bedeckt. 

Der Solidaritätszuschlag wird aktuell nicht mehr von allen Steuerzahlern geleistet; nur Personen mit hohem Einkommen und Anleger, die ihren Freibetrag (aktuell: 801 Euro) ausgereizt haben, sind zur Zahlung verpflichtet. 

Verlust-Entlastung für Unternehmen

Die Folgen der anhaltenden Covid-Pandemie sind besonders für Unternehmen spürbar. Als Hilfe in diesen schwierigen Zeiten (und danach) plant die CDU/CSU eine Anhebung der Höchstgrenzen für Verlustrücktrag und Verlustvortrag. Auch hier fehlen jedoch konkrete Zahlen im Wahlprogramm. 

Pläne für Immobilien

Im Bereich Immobilien plant die Union eine ganze Reihe von Entlastungen: so sollen etwa Steuerförderungen für eine Gebäudesanierung auch auf vermietete und Gewerbeimmobilien ausgeweitet werden. 

Wer in seine Immobilie zum Zwecke der CO2-Reduktion und Energieeffizienz investiert, soll diese Maßnahmen in Zukunft auch schneller abschreiben können.

Beim Kauf eines Eigenheims soll es ebenfalls Entlastungen geben, denn die CDU/CSU möchte die Grunderwerbsteuer um einen Freibetrag erweitern. Wer erstmals Wohnraum zur eigenen Nutzung erwirbt, soll von der Steuer bis zu einer Grenze von 250.000 Euro pro Erwachsenem freigestellt sein. Zusätzlich sollen weitere 100.000 Euro für jedes Kind zu diesem Betrag hinzuaddiert werden. 

Neue Steuererklärung

Die Steuererklärung soll zukünftig über eine App möglich sein, zu der es im Wahlprogramm jedoch noch keine näheren Informationen gibt. Eine generelle Vereinfachung des Procederes wird auch durch eine besser vorausgefüllte Version angestrebt, die schon ab 2022 verfügbar sein soll. 

Mit Ländern wie Estland, wo eine Steuererklärung durchschnittlich 3-5 Minuten dauert und komplett online abläuft, werden wohl auch mit diesen Maßnahmen noch nicht mithalten können. 

Immerhin ist jedoch ein weiterer Ausgleich der kalten Progression vorgesehen, in dem der Einkommenssteuertarif an die allgemeine Preisentwicklung angepasst werden soll. Dies ist gerade bei einer hohen Inflation, wie wir sie im Moment sehen, besonders wichtig, da sonst immer mehr Steuern gezahlt werden müssen. 

Keine Vermögens- oder Erbschaftssteuer

Die Union bleibt ihrem “Entlasten statt Belasten”-Grundsatz treu und lehnt eine wiedereinführung der Vermögenssteuer ab. Sie sieht in einem solchen Vorhaben eine Wohlstandsbremse, die Hauseigentümer und Betriebe belasten und somit auch Mietern und Arbeitnehmern schaden würde. 

Auch eine Erbschaftssteuer soll es mit der Partei nicht geben, womit man sich hier deutlich in den Kontrast zum potenziellen Koalitionspartner der Grünen stellt, die eine solche Steuer fordern.  

Finanztransaktionssteuer soll kommen

Die einzige nennenswerte Abweichung vom bisherigen Entlastungsplan findet sich beim Thema Finanztransaktionssteuer: Hier ist die Union für eine europaweite Einführung auf breiter Bemessungsgrundlage.  

Das bedeutet im Klartext, dass wohl nicht nur Aktien und ETFs besteuert werden, sondern auch andere Produkte, bei denen wir Zinsen erhalten, wie etwa P2P-Kredite oder Anleihen. 

Wichtig ist der Partei dabei jedoch, dass Kleinanleger durch diese Abgabe nicht belastet werden sollen – bis wann man als Kleinanleger gilt, wird leider im Wahlprogramm nicht genannt. Auch alle Investitionen, die mit der privaten Altersvorsorge zusammenhängen, möchte man von dieser neuen Steuer ausnehmen.  

Das soll sich bei der Vorsorge ändern

Sparer-Pauschbetrag

Aktuell können wir in Deutschland bis zu 801 Euro pro Jahr durch Kapitaleinkünfte erzielen, ohne dafür Steuern zahlen zu müssen – der sogenannte Sparer-Pauschbetrag. Alles, was darüber liegt, wird mit 25 % Abgeltungssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag belastet. 

Die Union plant eine Anhebung dieses Betrags sowie auch der Arbeitnehmersparzulage. Wie hoch (oder niedrig?) diese Erhöhung ausfallen soll, wird aber nicht erklärt. Eine solche Steigerung scheint jedoch überfällig, da es schon seit mittlerweile 11 Jahren keine Inflations-Anpassung gab!

Einfachere kapitalgedeckte Altersvorsorge

Die CDU/CSU möchte die Altersvorsorge durch Investments in Aktien und Co. erleichtern. Dies soll eventuell durch eine Generationenrente realisiert werden, bei der von Geburt eines Bürgers an Geld in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge fließen könnte. 

Dies soll durch einen Rentenfonds möglich werden, der in Aktien und andere Finanzprodukte investiert und damit deutlich bessere Renditen als bisherige Systeme erzielen wird. Das dieses Konzept besten funktionieren kann beweist zum Beispiel der norwegische Staatsfonds. Er ist so bekannt, dass ich sogar schon darüber berichtet habe, wie man ihn nachbauen kann.  

Neue private Vorsorge

Nach den – gelinde gesagt – gemischten Erfahrungen mit der Riester-Rente möchte die CDU/CSU ein neues Vorsorge-Produkt einführen. Dieses soll automatisch für alle Angestellten gelten, sofern diese nicht aktiv widersprechen. 

Hier möchte man durch möglichst geringe Verwaltungskosten und ohne eine Abschlussgebühr einiges besser machen. Enthalten sollen dabei auch sogenannte “Produkte ohne Leistungsgarantie”, wie zum Beispiel Aktien oder ETFs sein. 

Weitere Pläne

Im Rahmen der Corona-Krise sahen sich einige Europäische Staaten enormen Herausforderungen gegenüber. Diesen Ländern wurde “angemessen und solidarisch” geholfen – so sieht es zumindest die Union. 

Diese Maßnahmen könnten als erster Schritt zu einer Schuldenunion gesehen werden. Eine solche lehnt die Partei allerdings generell ab. Stattdessen möchte man die Schuldenverantwortung in den jeweiligen Staaten belassen. 

Zur Bekämpfung von Geldwäsche und Kriminalität möchte man die Anonymität beim Umtausch von Kryptowährungen in Euro und Co. aufweichen. Auch das umgekehrte Szenario, also der Erwerb von Kryptos, soll auf diese Weise überwacht werden. 

Eine ungewöhnliche Maßnahme ist das generelle Verringern von Bauvorschriften und eine neue Regelung, nach der ein Antrag für eine Wohnimmobilie generell als genehmigt gilt, wenn die Bearbeitung durch die zuständigen Ämter länger als zwei Monate dauert. 

Um die Wohnungsknappheit zu entschärfen, soll es zusätzlich eine Verlängerung der Abschreibungsmöglichkeiten beim Mietwohnungsbau geben. Diese beträgt derzeit 5 % und soll auch nach 2021 weitergeführt werden. 

Großen Venture Capital Fonds möchte man die Niederlassung in Deutschland durch einfachere Administration und steuerliche Vorteile erleichtern. Generell möchte man Hürden für das Wachstum und Investment von Firmen über die Landesgrenzen der EU hinweg abgebaut werden.

Versicherungsunternehmen und Pensionsfonds soll es ermöglicht werden, stärker in Wagniskapital und Beteiligungen zu investieren. Wer in Zukunft ein eigenes Unternehmen gründen möchte, soll dies nach den Plänen der Union innerhalb von 24 Stunden online abschließen können. 

Fazit: Hier wäre mehr möglich gewesen vom Wahlprogramm der CDU

Die CDU/CSU liefert mit ihrem Wahlprogramm einige sehr gute Ideen und Ansätze, bleibt aber in der Formulierung extrem ungenau. Es scheint so, als ob man mit aller Macht versuchen würde, keine konkreten Angaben zu machen. 

Dazu zählt zum Beispiel die absurde Tatsache, dass im gesamten 140-Seiten Wahlprogramm nicht eimal das Wort “Aktie” direkt genannt wird. Nur verklausulierte Umschreibungen lassen sich finden, obwohl Aktien bei den Plänen für die Altersvorsorge der Union eine große Rolle spielen!

Dennoch zeigt dieses Wahlprogramm aus Anleger-Sicht einige spannende Ansätze und könnte zu einer nachhaltigen Entlastung beitragen. Natürlich bleibt die Frage, welche Punkte im Falle einer Regierungsbeteiligung wirklich umgesetzt werden würden, offen. 

Ich hoffe, du konntest damit einen Einblick in die Pläne der CDU/CSU gewinnen. Bitte beachte jedoch, dass hier ausschließlich Aspekte analysiert wurden, die für Investoren und Kleinanleger interessant sind. Bevor du dich für eine Partei entscheidest, solltest du auch andere Bereiche ihrer Politik, wie zum Beispiel Bildung oder Umwelt, unter die Lupe nehmen!

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