Was die neue, hohe Inflation für Aktien, ETF + P2P bedeutet

Was die neue, hohe Inflation für Aktien, ETF + P2P bedeutet

Das Schreckgespenst Inflation kommt nicht erst – sie steht bereits vor der Tür. Lange Zeit war die Inflation in Deutschland und in Europa sehr niedrig. Die deutsche Inflationsrate liegt seit 1995 bei um die 2% pro Jahr. Einzige Ausnahme war die Finanzkrise 2008, in der die Preise etwas stärker gestiegen sind. Auch in der Eurozone sah es lange Zeit ähnlich aus. 

Vereinfacht gesagt bedeutet eine Inflation, dass die Kaufkraft entwertet wird und sich die Preise erhöhen. In Europa gilt, laut der Europäischen Zentralbank, eine Inflation von knapp unter 2% als Ziel. In diesem Jahr wird die Inflation aber vermutlich stärker als in den letzten Jahren ansteigen! Was das für dich als Anleger in Aktien, ETFs und P2P-Kredite heißt, will ich dir zeigen!

Woher kommt die Inflation?

Laut Statistischem Bundesamt liegt die aktuelle Inflation im April bei 2,0%. Das ist schon am oberen Ende der letzten Jahre. Die Direktorin der EZB, Isabel Schnabel, erwartet allerdings noch einen stärkeren Anstieg: über 3% soll die Inflation in diesem Jahr ansteigen! Das wäre deutlich über den Zahlen der letzten Jahrzehnte.

In den USA beträgt die Inflationsrate schon 4,2%. Das ist deutlich mehr als Analysten erwartet haben. Im Kontext handelt es sich hier um den höchsten Anstieg seit der Finanzkrise 2008. Besonders die Kosten für Energie sind stark angestiegen. Doch nicht nur Öl und Strom werden teurer, sondern auch die Rohstoffpreise ziehen stark an: Der Preis für Holz hat sich aktuell verfünffacht! Allerdings spielen Rohstoffe keine so große Rolle für die Inflation wie in der Vergangenheit.

Vor allem in den 1960er-Jahren waren Rohstoffe ein guter Indikator für Inflation, mit der Zeit hat sich der Trend allerdings abgeschwächt. In den letzten zwei Jahrzehnten war kaum noch ein Zusammenhang zu sehen. Das heißt: Bei einem Anstieg der Preise für Rohstoffe muss man sich nicht gleich Sorgen um eine Inflation machen. Bis auf Öl sind Rohstoffe keine guten Indikatoren mehr.

Allerdings wurde in Europa und in die USA die Geldmenge drastisch erhöht. Die Geldmenge M1 zeigt hier, wie viel Geld aktuell im Umlauf ist. Du siehst hier, dass vor allem in den USA sehr schnell viel Geld gedruckt wurde. In Europa ging es zwar etwas langsamer, aber auch hier hat sich die Geldmenge deutlich erhöht. Das heißt: Es gibt jetzt deutlich mehr Geld, allerdings ist die Wirtschaft nicht im selben Tempo mitgewachsen. Das führt zu Inflation.

Was bedeutet das, wenn du in Anleihen und P2P-Kredite investierst?

Zuerst zeige ich dir, welche Auswirkungen eine hohe Inflation auf Schulden, also Anleihen und P2P-Kredite, haben kann. Wer Schulden gemacht hat, ist aktuell klar im Vorteil. Denn Schulden lassen sich tendenziell leichter zurückzahlen, wenn die Inflation hoch ist. Das war auch historisch schon so: Während der Hyperinflation im Deutschland der 1920er-Jahre waren die Kriegsschulden Deutschlands quasi komplett wertlos.

In solchen Situation, vor allem in Extremsituation, gibt es für Schuldner also etwas zu gewinnen. Das heißt aber natürlich nicht, dass wir bald eine Hyperinflation haben werden. Anders sieht es für die aus, die in die Schulden anlegen. Also in Anleihen und P2P-Kredite investieren. Für sie wird der Cashflow durch Rückzahlung immer weniger wert, je nachdem wie hoch die Inflation aktuell ist.

Wer also jetzt in langlaufende Anleihen investiert hat, die beispielsweise 20 oder 30 Jahre lang laufen, der wird tendenziell verlieren und das Portfolio wird weniger wert sein. Wer sich 2019 zum Beispiel Bundesanleihen gekauft hat, muss aktuell mit einem Verlust von 16,6% leben. Dieser Verlust wurde vor allem in den letzten Monaten, als klar war, dass eine Inflation kommt, eingefahren!

Für P2P-Kredite gilt das in diesem Umfang nicht. P2P-Kredite haben meist nur eine kurze Laufzeit von 1 bis 12 Monaten. Hier kann schneller auf die Inflation reagiert werden, indem die Zinsen erhöht werden. Wer jetzt zum Beispiel in langlaufende 5-Jahres-Kredite von mogo investiert hat, der hat jetzt eher ein Problem als Anleger, die alle 30 Tage in neue Konsumkredite investieren!

Ich persönlich investiere deswegen aktuell, mit Ausnahme von estateguru und Bondora, nur in kurzlaufende Kredite. Bei estateguru beträgt meine Laufzeit 1,5 Jahre, was okay ist. Bei Bondora ist Laufzeit durch Go & Grow länger und beträgt im Durchschnitt 4 Jahre. Das ist auch noch okay, allerdings aktuell auch mein persönliches Limit! Denn wenn es jetzt dauerhaft Inflation gibt, sollten auch die gebotenen Zinsen nach oben gehen. Das ist mit einem Portfolio, in dem viele “alte” Kredite sind, deutlich schwieriger umzusetzen!

Wie sieht es mit Aktien und ETFs aus?

An sich hat eine steigende Inflation auch schlechte Auswirkungen auf Aktien und ETFs. Die Preise für Rohstoffe und andere Kosten steigen, Konsumenten kaufen weniger ein und Umsätze und Gewinne sinken. Solange bis irgendwann ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herrscht.

Allerdings schneiden Value-Aktien und Value-ETFs während einer Inflation grundsätzlich besser ab als Wachstumsaktien beziehungsweise Wachstums-ETFs. Die Coca-Cola-Aktie ist ein klassisches Beispiel für eine Value-Aktie und hat im vergangenen Jahr ein Wachstum von 3% hingelegt. Square hingegen, eine klassische Growth-Aktie, ist im selben Zeitraum um 8% gefallen. Das ist natürlich nicht bei jeder Value- oder Growth-Aktie so, aber tendenziell schneiden Value-Aktien in solchen Zeiten besser ab!

Wenn die Inflation besonders stark wird, leiden auch Aktien mit hohen Ausschüttungsquoten, also vor allem hohe Dividendenzahler. Allerdings sind Aktien und ETFs während einer hohen Inflation nicht volatiler als sonst. Das heißt die Kurse schwanken nicht mehr, als sie das bei “normalen” Marktphasen tun!

Was tun, wenn jetzt die hohe Inflation kommt?

Du fragst dich sicher, was gegen eine hohe Inflation überhaupt getan werden kann, wenn denn wirklich eine kommt: Als erstes europäisches Land will Ungarns Notenbank die Zinsen anheben. Aktuell ist die Inflationsrate im Land bei 5,1%, also nochmal deutlich höher als in Deutschland. Doch auch für die EZB wäre die Erhöhung der Zinsen eine Option. Dadurch würde die aktuell fast kostenlosen Staatsschulden allerdings auf einmal wieder viel Geld kosten, viele wollen eine Erhöhung der Zinsen daher vermeiden.

Auch gibt es zahlreiche Stimmen, die der Meinung sind, dass die aktuelle Situation nur eine Momentaufnahme darstellt und wir gar keine allzu hohe Inflation erwarten. Die amerikanische Notenbank FED geht davon aus, dass die Inflation zeitlich begrenzt ist und die Preise nur aufgrund der wirtschaftlichen Erholung und der steigenden Nachfrage anziehen. Strukturelle Probleme, die die Notenbank nicht im Griff hat, soll es nicht geben. Die Inflation könnte also schnell wieder vorbeigehen!

Einen Verlierer gibt es aber sicher: Denn wer sein Geld nur auf dem Girokonto oder dem Sparbuch angelegt hat, hat bisher keine Zinsen bekommen und wird auch jetzt noch keine Zinsen erhalten. Zusätzlich kommt noch die Inflation oben drauf. Bei 3% Inflation, von der die EZB ausgeht, sind 100.000€ auf dem Sparbuch am Ende des Jahres nur noch 97.000€ wert. Wenn viele Leute diesen Effekt merken, werden sie sich eventuell nach Anlagemöglichkeiten umsehen!

Wie so oft gilt: Am besten geschützt sind die, die auf ein diversifiziertes Portfolio setzen!

Zu wenig Rendite? Meine unabhängige Beratung kann helfen:

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