Praxisbeispiel: Wetten auf Öl – negativer Ölpreis erklärt

Der Handel mit Rohstoffen über ETCs steht bei Kleinanlegern im Ruf, gefährlich und kompliziert zu sein. “Das ist nur was für Profis”. Aber stimmt das auch? Wir sind dieser Frage nachgegangen und haben ein Praxisbeispiel konstruiert.

Denn das Rekordtief des Ölpreises lud Anfang des Jahre besonders zu Spekulationen ein: Durch die Covid-19-Krise sank der Wert in den Negativbereich. Die Vorhersage, dass dies kein Dauerzustand sein kann, war offensichtlich und zahlreiche Anleger wetteten auf genau diese Entwicklung. Trotzdem ging dies nicht für alle gut aus… 

Bevor wir mit der genauen Analyse starten aber noch der Hinweis: Wenn du auf der Suche nach weiteren Investmentmöglichkeiten bist oder Fragen zu bestimmten Finanzthemen hast, solltest du außerdem einen Blick in unser Forum für Privatkredite werfen. Durch den Austausch mit anderen Anlegern ist es der ideale Ort, um neue Ideen zu finden oder den ein oder anderen Trick dazuzulernen. 

Negativer Ölpreis – was nun?

Günstig einkaufen und teuer verkaufen ist ein Grundkonzept der Finanzwelt. Man braucht kein Hintergrundwissen oder hellseherische Fähigkeiten, um zu erkennen, dass sich daraus Profit schlagen lässt. Etwas komplexer wird es hingegen, wenn eine Ware so günstig ist, dass ihr Preis ins Negative rutscht. Wie funktioniert das?

Das Konzept negativer Preise kennen wir auch von Negativzinsen, die es gelegentlich beim Anlegen von Kapital gibt. Hiermit sagt eine Bank (oder anderes Finanzunternehmen) den Kunden: Wir wollen dein Geld nicht. Du musst Strafe zahlen, wenn du es bei uns lagerst. Genau das gleiche ist auch mit dem Ölpreis passiert. 

Da der Verbrauch durch die Pandemie dramatisch sank, waren die Öllager vor allem in den USA randvoll. Die jeweiligen Ölfirmen und Händler waren so verzweifelt, dass sie Kunden buchstäblich dafür bezahlten, ihnen die normalerweise wertvolle Flüssigkeit abzunehmen. Denn sie hatten selbst ihre Kaufverträge etc. zu erfüllen, wofür freie Kapazitäten nötig sind. 

Im Rahmen von Exchange Traded Commodities, also dem Handel oder dem Wetten auf Rohstoffe, entschieden sich viele Anleger für ein Investment. Denn wohin kann ein negativer Preis wohl gehen? Nur nach oben, oder? Theoretisch richtig, praktisch aber dennoch riskant. Denn der Ölpreis ist jeweils nur eine Momentaufnahme einer einzelnen Sorte Öl.

Ein Praxisbeispiel

Der Ölpreis für die Sorte “WTI Light” war am 20.April 2020 auf dem absoluten Tiefstand. Dabei sorgte Rekordwert von -37 USD pro Fass auch für große mediale Aufmerksamkeit. Nehmen wir für unser Beispiel an, dass wir an diesem Datum in Öl investieren wollen, da wir davon ausgehen, der Preis würde bald wieder steigen – leicht verdientes Geld!

Da wir richtig verdienen wollen, investieren wir daher 10.000 Euro in ein Öl-Zertifikat mit einem Hebel, zum Beispiel das “Faktor Zertifikat auf Societe Generale Fakto 3x Long WTI Oil 4 Index”. Durch den Hebel von 3 verdienen wir mit diesem Produkt den dreifachen Zugewinn, verlieren aber bei sinkenden Kursen auch das Dreifache. 

Ist unser Kauf abgeschlossen, können wir uns entspannt zurücklehnen und schon am nächsten Tag einen deutlichen Kursgewinn beobachten. Der Ölpreis stieg – wie erwartet – fast sofort wieder ins positive und lag schon am 21.April wieder bei plus 10 Euro. Dennoch hätten wir mit unserem Rechenbeispiel fast 99 % unserer 10.000 Euro verloren. Warum?

Zu früh gefreut

Die Berechnung von Ölpreisen beruht auf sogenannten Basiswerten für einen relativ kurzen Zeitraum von meist mehreren Wochen. Das Öl-Zertifikat in unserem Beispiel etwa startete im März bezog sich auf den Zielpreis des Monats Juni. Obwohl wir es zum tiefsten Punkt, am 20.04., erworben haben, wurde insgesamt ein Verlust von über 30 % eingefahren.

Hinzu kommt nun die “Hebelproblematik”: Im Falle eines Gewinns sehr angenehm, kann uns ein Hebel bei Verlusten so richtig reinreiten. In diesem Falle verdreifacht er unseren Verlust, sodass von unseren 10.000 Euro Einsatz knapp 99 % abgezogen werden. So lag ein einzelnes, von uns erworbenes Zertifikat am 20. April noch bei ca. 0,5 Euro, war jedoch am Folgetag mit 0,001 € schon komplett wertlos. 

Ölpreise und Finanzprodukte, die sie verwenden, sind nämlich stets nur Momentaufnahmen der Kosten für die jeweilige Ölsorte und lassen sich nicht so einfach ausnutzen, wie es auf den ersten Blick scheint.  Daher ist bei der Spekulation mit Ölpreisen (sowie anderen Rohstoffen) höchste Vorsicht geboten: Umfassende Recherche und genaues studieren der Bedingungen sind unerlässlich!

Das lernen wir daraus

Wer in der oben beschriebenen Form auf Öl oder andere Exchange Traded Commodities setzt, hat unserer Meinung nach die Grenze vom Investieren zum Spekulieren überschritten. Dementsprechend gewaltig sind hier auch die Risiken, wie in unserem Beispiel quasi alles zu verlieren. 

Das bedeutet jedoch nicht, dass ein Investieren in Öl automatisch schlecht wäre! In einem ansonsten gut diversifizierten Portfolio ist auch für einen Anteil in Öl oder anderen Rohstoffen Platz. Der Ölpreis hat zwar in den letzten 15 Jahren konstant an Wert eingebüßt – zahlreiche Investoren sehen aber bereits die Verknappung und Preissteigerung voraus, wenn in Zukunft mehr und mehr Ölfelder trocken bleiben. 

Hier mit einer langfristigen Strategie einzusteigen, kann sich durchaus lohnen. In der Form von Funds kann man ich Öl recht einfach in das eigene Portfolio holen. Auch Aktien von Firmen, die direkt am Ölgeschäft beteiligt sind, bieten sich als Einzelposten oder per ETF an. Diese Variante ist zwar auch nicht ohne Risiko, aber doch deutlich sicherer, als das Spekulieren mit Zertifikaten

Unsere Empfehlung

Ölpreis-Zertifikate und ähnliche Wetten auf Rohstoffpreise zählen zu den hochriskanten Investments – speziell dann, wenn Hebel mit im Spiel sind. Für ein ausgewogenes Portfolio sind jedoch gut diversifizierte Anlagen mit unterschiedlich hohen Gefahren sinnvoll. 

Eine recht sichere Anlageform, die als Gegengewicht zu solchen Spekulationsgeschäften eingesetzt werden könnte, sind Investments bei Genossenschaftsbanken. Das man auch damit ansprechende Renditen erzielen kann, haben wir unserem Bericht “Gute Dividende mit Genossenschaftsbanken” für dich analysiert.

Für jedes Investment braucht es natürlich einen Broker. Hier den richtigen zu finden kann zu einer gewaltigen Aufgabe werden. Unsere Empfehlungen sind: 

Der Scalable Capital Broker. Er nimmt eine Sonderrolle unter den modernen Brokern ein, da er eine spezielle “Trading Flatrate” bietet. Mit diesem Link kommst du direkt zur passenden Seite undkannst sofort losgegen.

Spricht dich hingegen Trade Republic mit großer Auswahl und Null Gebühren an, bringt dich dieser Link direkt zu Anmeldung.

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