Bausparvertrag Nachteile - Lohnt sich ein Bausparer noch?

Bausparvertrag Nachteile – Lohnt sich ein Bausparer noch?

Nach wie vor schließen Menschen Bausparverträge ab, wenn sie von ihrem eigenen Haus träumen und sich eine Immobilie finanzieren wollen. Ein oft genannter Grund von Interessenten ist beispielsweise der Schutz vor steigenden Zinsen. Doch in den letzten Jahren haben sich grundlegende wirtschaftliche Bedingungen geändert, womit sich folgende Frage stellt: Lohnt es sich noch, in einen Bausparer zu investieren?

Das Wichtigste in K√ľrze:

  • Bausparvertr√§ge k√∂nnen genutzt werden, um einen Teil einer Immobilie zu finanzieren oder eine bereits vorhandene zu modernisieren
  • F√ľr Personen, die bestimmte Bedingungen erf√ľllen, k√∂nnen Bausparvertr√§ge durch staatliche F√∂rderung attraktiver werden
  • Als reines Sparobjekt bzw. als Anlageklasse sind Bausparvertr√§ge aus mehreren Gr√ľnden ungeeignet

Was ist ein Bausparer?

Die Grundlage eines Bausparvertrages ist leicht zu verstehen. Sparer investieren ihre Summe in einen gemeinsamen Topf. Wenn genug Geld vorhanden ist, erhalten die ersten Bausparer einen Kredit. Im Hintergrund zahlen andere Sparer weiterhin in den Topf, sodass es m√∂glich ist, dass nacheinander alle Sparer ihr Eigenheim finanzieren k√∂nnen. Der gro√üe Vorteil ist, dass jeder sein Ziel deutlich schneller erreichen kann, als wenn die Anleger alleine sparen w√ľrden.

Gut zu wissen:

Damit das System eines Bausparvertrages funktioniert, wird ein Sparplan mit einem Immobiliendarlehen kombiniert. Über eine bestimmte, vorab definierte Bausparsumme schließt der Anleger einen Bausparvertrag mit einer Bausparkasse ab. Anfangs wird genau festgelegt, welche Eigensparquote durch den Kunden erreicht werden muss. Die Zinsen, die auf die Spareinlage und das Darlehen anfallen, sind von Anfang an bekannt.

Die Grundlagen eines Bausparvertrages

Um genau zu verstehen, was die Vor- und Nachteile eines Bausparvertrages sind und ob sich die Anlage in einen Bausparer noch lohnt, ist es wichtig, die Grundlagen und Rahmenbedingungen zu kennen. Dazu geh√∂rt der Ablauf eines Bausparvertrages, die unterschiedlichen anfallenden Kosten und m√∂gliche F√∂rderungen, die ein Interessent bekommen kann. 

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Die Phasen eines Bausparvertrags

Die erste Phase eines Bausparers ist die sogenannte Sparphase. Entscheidest du dich daf√ľr, einen Bausparvertrag abzuschlie√üen, sparst du solange, bis die Mindestsparsumme erreicht ist. Je nach Bausparer k√∂nnen das 30 Prozent, 40 Prozent oder auch 50 Prozent der Bausparsumme sein.

Sobald die Sparphase endet, beginnt die sogenannte Zuteilungsphase. In der Regel werden die Kunden per Post dar√ľber informiert, dass ihr Bauspardarlehen ab dem jetzigen Zeitpunkt zur Verf√ľgung steht. Daf√ľr m√ľssen unterschiedliche Bedingungen erf√ľllt sein. Die Mindestspardauer muss erreicht worden sein. Diese kann variieren, von einigen Monaten bis zu mindestens 2 Jahren. Es gibt noch andere Voraussetzungen, die sich allerdings von Bausparer zu Bausparer unterscheiden.

Die Phase der Zuteilung geht einher mit wichtigen Entscheidungen rund um die Zukunft deines Bausparvertrages. Grunds√§tzlich stehen dir drei M√∂glichkeiten zur Verf√ľgung, wie es mit deinem Bausparer weitergehen kann: 

  • Du hast die M√∂glichkeit, dein Darlehensangebot anzunehmen. In diesem Fall wird dir das Darlehen ausbezahlt. Damit kannst du deine Immobilie renovieren oder ein Eigenheim erwerben. 
  • Du kannst das Darlehensangebot vertagen. Auf diese Weise kannst du weiter Geld sparen und dir das Darlehen erst in der Zukunft auszahlen lassen. Allerdings verringert sich die Darlehenssumme um die zus√§tzliche Sparquote. 
  • Dir steht es frei, den Bausparvertrag aufzul√∂sen und dir die Sparsumme zuz√ľglich Zinsen auszahlen zu lassen. In diesem Fall hast du keinen Anspruch auf das Darlehen. Es kommt nicht zur dritten Phase des Bausparens. 

Die Darlehensphase ist dadurch gekennzeichnet, dass du einen Kredit von der Bausparkasse ausgezahlt bekommst. An dieser Stelle musst du durch Unterlagen nachweisen, dass du das ausgezahlte Geld f√ľr wohnwirtschaftliche Zwecke verwendest. Das Geld darf also ausschlie√ülich im Kontext des Wohnens genutzt werden. Dazu geh√∂ren der Kauf einer Immobilie, die Ausstattung der Inneneinrichtung, Kredittilgung im Kontext Immobilien oder eine anfallende Renovierung. 

So funktioniert Bausparen
So funktioniert Bausparen

Achtung!

Ein einmal ausgezahltes Darlehen muss wieder zur√ľckgezahlt werden. Die R√ľckzahlungen erfolgen, indem monatlich ein bestimmter Betrag eingezahlt wird. Auf diese Weise wird der Kredit langfristig getilgt.¬†

Diese Kosten fallen an

Vor dem Abschluss eines Bausparers ist es wichtig, sich √ľber die Kosten zu informieren. Generell fallen Abschlusskosten und Kontof√ľhrungsgeb√ľhren an. Die Abschlussgeb√ľhren variieren zwischen 1 und 1,6 Prozent der Bausparsumme. Kontof√ľhrungskosten betragen in der Regel bis zu 24 Euro j√§hrlich. 

So kannst du Förderungen erhalten

In der aktuellen wirtschaftlichen Situation erhalten Kunden f√ľr ihre Bausparvertr√§ge kaum mehr Zinsen. Zinsen liegen oft bei 0,01 Prozent und sind damit eher symbolischer Natur. Somit liegen die Zinss√§tze oft deutlich unter den besseren Tagesgeldangeboten. Um diesen Nachteil auszugleichen, k√∂nnen Sparer das Bauspardarlehen zu einem garantierten Zins beantragen. Als eine Art Ersatzzins k√∂nnen die m√∂glichen staatlichen F√∂rderungen gesehen werden. Hierbei bieten sich folgende M√∂glichkeiten an: 

  • Wohnungsbaupr√§mie
  • Arbeitnehmersparzulage
  • Riesterf√∂rderung

Wohnungsbauprämie

Mit bis zu 8,8 Prozent kann die Wohnungsbaupr√§mie f√ľr Bausparvertr√§ge gef√∂rdert werden. Eine Chance auf eine F√∂rderung haben Personen, deren Einkommen j√§hrlich maximal 25.600 Euro betr√§gt. F√ľr Ehepaare gilt die doppelte Summe von maximal 51.200 Euro.

Die F√∂rderung erfolgt, indem j√§hrlich bis zu 512 Euro der eingezahlten Sparsumme mit 8,8 Prozent bezuschusst werden. Die maximale F√∂rderung bel√§uft sich somit auf einen Zuschuss von 45,06 Euro pro Jahr, bei Verheirateten 90,11 Euro pro Jahr. 

Arbeitnehmersparzulage

Die Arbeitnehmersparzulage funktioniert nur, wenn der Arbeitgeber verm√∂genswirksame Leistungen in den Bausparvertrag einzahlt. Das erfolgt monatlich. Um von dieser F√∂rderung zu profitieren, darf das Einkommen pro Jahr einer Einzelperson nicht h√∂her als 17.900 Euro sein, bei Ehepaaren gilt die Summe von maximal 35.800 Euro Jahreseinkommen. 

Riester-Förderung

Bei einer Riester-Förderung kann zwischen unterschiedlichen Vertragsformen gewählt werden:

  • Riester-Fondssparplan
  • Banksparplan
  • Riester-Rentenversicherung
  • Bausparvertrag als Wohn-Riester

Durch eine Riester-F√∂rderung kann eine Privatperson Steuervorteile bekommen und durch Zulagen profitieren. Die Bedingungen unterscheiden sich von Bausparkasse zu Bausparkasse. Ein Vergleich ist empfehlenswert, um das beste Angebot zu finden. 

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Vorteile eines Bausparers

  • Sichere Art der Anlage: Der wohl gr√∂√üte Vorteil ist, dass Bausparer eine sehr sichere Anlageklasse sind. Auch die Planbarkeit ist hoch, da vorab die Zinsen festgelegt werden. Diese Werte bleiben unver√§ndert, unabh√§ngig davon, wie sich der Markt in der Zukunft ver√§ndert.
  • Staatliche F√∂rderungen: F√ľr Personen, die bestimmte Bedingungen erf√ľllen und unterhalb einer gewissen j√§hrlichen Einkommensgrenze liegen, k√∂nnten die staatlichen F√∂rderungen diese Geldanlage attraktiver machen. Der eigene Bausparer kann beispielsweise mithilfe von verm√∂genswirksamen Leistungen aufgestockt werden.
  • Sicherheit des Zinses: Bereits bei Abschluss des Bausparvertrages ist der Zinssatz bekannt, der sich in der Spar- und Darlehensphase nicht √§ndert. Das kann ein Vorteil sein, wenn die Zinsen steigen. Auf diese Weise hat ein Anleger sich vorher festgelegte Zinsen √ľber einen bestimmten Zeitraum gesichert. 

Bausparvertrag Nachteile

Neben den genannten Vorteilen steht die ehemals sehr beliebte Anlageart inzwischen mit einigen Nachteilen in Zusammenhang. Ein Problem von Bausparern ist die mangelnde Flexibilität. Vor Abschluss des Vertrages werden die Zinsen festgelegt. Wichtige Entscheidungen werden also bereits in der Sparphase gelegt. Auf veränderte Situationen kann kaum reagiert werden.

Auch die langen Wartezeiten k√∂nnen unangenehm sein. Wenn ein Bausparvertrag abgeschlossen wird, erh√§lt der Sparer sein Darlehen nicht sofort. Mitunter kann es zu sehr langen Wartezeiten kommen. Es kann passieren, dass ein Anleger die Traumimmobilie schon vorher findet und f√ľr die Finanzierung einen Bankkredit aufnehmen muss. 

Einen weiteren Nachteil stellen die Abschlusskosten dar. Diese sind in der Regel vergleichsweise hoch und liegen bei 1,0 Prozent bis 1,6 Prozent der Bausparsumme. Auf den ersten Blick klingt das zwar niedrig, trotzdem sollte jeder Anleger bedenken, dass sich die Kosten auf die gesamte Bausparsumme beziehen. Abschlussgeb√ľhren m√ľssen auf den Darlehensteil und auf den Sparanteil bezahlt werden. 

Gut zu wissen:

Gerade in Zeiten mit niedrigen Zinsen kann es lohnenswert sein, das Eigenheim √ľber einen Bankkredit abzubezahlen. Diese bieten oft g√ľnstigere Konditionen als Bausparkassen. Auch bei Bankkrediten ist es im Normalfall m√∂glich, eine lange Laufzeit zu vereinbaren.

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Fazit: Bessere Alternativen möglich

In erster Linie eignen sich Bausparvertr√§ge f√ľr Personen, die sich zum jetzigen Zeitpunkt bereits sicher sind, dass sie in einigen Jahren eine Immobilie erwerben wollen. Bausparer sind auch eine gute M√∂glichkeit f√ľr Menschen, die bereits eine Immobilie besitzen, die in 5 bis 10 Jahren renoviert werden soll. 

In vielen F√§llen werden Bausparvertr√§ge jedoch als Anlageklasse ausgew√§hlt und fungieren als Sparprodukt. Auf diesem Weg werden die Darlehen nicht in Anspruch genommen. Wer eine Anlageklasse sucht, um Geld anzulegen, sollte sich √ľber Alternativen informieren. Die Zinsen sind sehr niedrig und die anfallenden Abschlussgeb√ľhren vergleichsweise hoch, was Bausparvertr√§ge zu einer unattraktiven Geldanlage machen, wenn das Ziel nicht der Kauf oder die Modernisierung einer Immobilie ist.¬†

FAQ ‚Äď H√§ufig gestellte Fragen zu Bausparvertrag Nachteile

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