Die Aktienrente kommt! Ampel reformiert Rente grundlegend

Die Aktienrente kommt! Ampel reformiert Rente grundlegend

Richtig gelesen: die Aktienrente kommt. Das bedeutet, dass die Rente künftig nicht mehr rein umlagefinanziert getragen wird, wie bisher, sondern durch die öffentliche Hand teilweise an den Kapitalmärkten in Aktien investiert wird.

In diesem Artikel erhältst du Antworten auf folgende Fragen:
    • Worum geht es bei der Aktienrente?
    • Was steht denn eigentlich im Koalitionsvertrag?
    • Wie hoch ist der Finanzierungsbedarf der Aktienrente?
    • Welche Risiken trage ich als Anleger?

Die Ampelkoalition gibt grünes Licht

Die Formulierung der Aktienrente war eines der Kernziele der FDP und hat es nun mit in den Koalitionsvertrag geschafft. Da stellen sich natürlich gleich einmal die ersten Fragen:

  1. Wie stark sind denn überhaupt die Formulierungen betreffend der Aktienrente?
  2. Was bedeutet die Aktienrente für Anleger?
  3. Und was bedeutet das für all jene, die in die Rente einzahlen?

Gehen wir der Sache mal auf den Grund.

So funktioniert die Aktienrente

Bislang wurde die Rente stets umlagefinanziert. Bei diesem Prinzip fließen Beiträge, die heute geleistet werden, auf direktem Wege an die Rentner von heute. Ein simples Prinzip also: jeder sich in Rente befindende Mensch bezieht sein Geld von den derzeitigen Arbeitnehmern am Markt. Das bedeutet aber auch, dass das Geld weder investiert noch verzinst wird – und genau das soll sich jetzt unter der neuen Ampelkoalition ändern.

Das neue Modell der Aktienrente sieht vor, dass ein Teil der aktuellen Renteneinzahlung nicht direkt an aktuelle Rentner fließt, sondern aber langfristig an den Kapitalmärkten investiert werden soll. Dass sich dadurch das Geld vermehren soll, ist klar, aber wie sicher ist dieses Vorhaben? Für manch einen mag die Aktienrente nach einem Spiel mit erhöhtem Risiko klingen, aber ganz so riskant ist die Sache dann nicht!

Der Norden macht es vor

In Norwegen und Schweden ist die Aktienrente bereits seit mehreren Jahren ein gängiges Modell und hat bereits positive Bilanzen gezogen. So dient unter anderem der “AP7“ als erfolgreicher Staatsfond und stabilisiert dort seit Jahren das Rentenniveau. 

“…in den vergangenen 20 Jahren erzielte der Fonds im Durchschnitt 11 Prozent Rendite, die laufenden Gebühren sind dabei mit gerade einmal 0,1 Prozent enorm niedrig.” 

Auch die Tragfähigkeit der zukünftigen Renten kann mittels der Aktienrente gesichert werden. Doch auch wenn der Norden bereits vorbildlich zeigt, wie es funktionieren kann, ist eine Umsetzung in Deutschland dadurch noch nicht garantiert. Bevor er in Kraft treten kann, muss der Koalitionsvertrag vonseiten der SDP, den Grünen und der FDP unterstützt werden. Die Erfolgschancen, dass dies auch geschehen wird, sind jedoch relativ hoch. 

Was steht überhaupt im Koalitionsvertrag?

Auf Seite 72, Kapitel 4 des Koalitionsvertrags, steht festgeschrieben, dass ein dauerhaftes Mindestrentenniveau von 48% gehalten werden soll, ohne einer Anhebung des Renteneintrittsalters. Zwei Ziele, die in erster Linie nicht zu harmonieren scheinen.

Zwei Ziele mit Konfliktpotential?

Auf der einen Hand die Sicherung des Mindestrentenniveaus, auf der anderen Hand der Fortbestand des Renteneintrittsalters – zwei Ziele im Konflikt. Aber warum? 

Nun, ein Grund ist der demografische Wandel, der in Deutschland in vollem Gange ist. Da die Lebenserwartung der Menschen hierzulande, glücklicherweise, seit mehreren Jahren steigt, die Fertilitätsrate aber gleichzeitig sinkt, wächst in Deutschland eine immer älter werdende Gesellschaft heran. Und je älter Menschen werden, desto länger beziehen sie auch Rente. 

Ein weiterer Grund ist die geburtenstarke Generation der Babyboomer, die bald in Rente gehen wird. Der Renteneintritt der Babyboomer wird folglich zu immer mehr Rentnern und gleichzeitig immer weniger Arbeitnehmern am Arbeitsmarkt führen – und genau hier setzt die Aktienrente an. Die Aktienrente wird in diesem Zusammenhang nämlich als Einstieg in die teilweise kapitalgedeckte Altersvorsorge beschrieben.

Ein undankbarer Kompromiss für die FDP

Die Kosten für die Aktienrente sollen sich im ersten Jahr auf rund 20 Mrd. Euro belaufen. Das ist der Preis, der nun gezahlt werden muss, weil die Rente in der Vergangenheit umlagefinanziert getragen wurde. Dennoch ist es der richtige Schritt, denn es ist die Investition in ein neu-strukturiertes Rentensystem. Die Forderung der FDP von 20 Mrd. Euro hat es jedoch nur bis zur Hälfte der Strecke geschafft. Im Koalitionsvertrag hat man sich nämlich auf die Hälfte, auf 10 Mrd. Euro, geeinigt. Fraglich bleibt dabei, ob sich die aktuelle Rentenlücke mit diesem Kompromiss auch wirklich schließen lässt. 

Aber blicken wir der Sache einmal ehrlich entgegen: In den Jahren, die folgen werden, muss der Staat mehr investieren, vermutlich weitaus mehr als die zurückgelassenen 10 Mrd. Euro zum jetzigen Zeitpunkt.

Ein Blick in die Zukunft

Wird auch in Zukunft genug politisches Kapital vorhanden sein, um eine erneute Investition zu befürworten? Eine Frage, die zurzeit offenbleibt. Fest steht, dass sich Investitionen wie diese erst nach frühestens 10 Jahren auszahlenEin langfristiger und teurer Finanzierungsbedarf, für den auch der Staat in etwa 10 Jahre lang Zuschüsse leisten muss. Das bedeutet allerdings nicht, dass dieses Geld verloren geht. Nein, es ist investiert. Und wenn die Finanzierung nach diesen 10 Jahren abläuft, kann auch die gesetzliche Rente von diesem Zeitpunkt an wie vorgesehen jedes Jahr unterstützt werden.

Welche Risiken habe ich als Anleger?

Als Anleger stellt sich schnell die Frage: „Wer verwaltet denn das Ganze? Und ist mein Kapital überhaupt geschützt oder kann der Staat in der nächsten Krise einfach darauf zugreifen?“. In dieser Hinsicht ist der Koalitionsvertrag sehr eindeutig ausgelegt, was auch essentiell für den langfristigen Erfolg der Aktienrente ist. So steht im Vertrag festgeschrieben:

„Der kapitalgedeckte Teil der gesetzlichen Rente muss für das Kollektiv der Beitragszahler dauerhaft Eigentums-geschützt sein“

In anderen Worten: der Staat darf nicht auf das angelegte Kapital der Beitragszahler zugreifen, sobald die nächste Corona-, Finanz- oder Eurokrise vor der Tür steht – das Geld ist nicht in staatlichem Eigentum.

Fazit: ein interessantes Konzept mit wertvollem Nebeneffekt

Der Norden zeigt es bereits seit den 90er Jahren erfolgreich vor und Deutschland zieht jetzt nach. Die Aktienrente ist ein interessantes Konzept, bei dem man sich durchaus freuen kann, es nun auch im Koalitionsvertrag vorzufinden. Einen kleinen Nebeneffekt hat die Umstrukturierung des Rentensystems auch noch: sie leistet einen wertvollen Beitrag zur Aktienkultur in Deutschland. Diese ist bislang noch in den Kinderschuhen im Vergleich zu anderen Staaten. Selbst der – sehr wahrscheinlich – neue Bundeskanzler Olaf Scholz hält ja bekanntermaßen keine einzige Aktie, keine Fonds und keine ETFs. Sein Geld legt er zwar an, aber laut eigenen Aussagen: “auf dem Girokonto”.

Die Verschriftlichung der Aktienrente im Koalitionsvertrag stellt noch kein niedergeschriebenes Gesetz dar und noch lange kein funktionierendes System. Dennoch ist dieses gemeinsame Vorhaben der neuen Ampelkoalition ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung und maßgebend für das zukünftige Rentensystem in Deutschland.

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