Aktienrente

Aktienrente: Mit mehr Aktien, mehr Wohlstand für alle?

Die FDP will “ein Volk von Aktionären”! Denn “Aktien sind risikoärmer als die Politik der Großen Koalition”. Das sagt zumindest Johannes Vogel, rentenpolitischer Sprecher der FDP. 

Klar ist: Deutschland braucht eine bessere Altersvorsorge. Die FDP will die Rente reformieren und eine Aktienrente einführen. Hier soll ein Teil der gesetzlichen Rente in Aktien angelegt werden. Wie das funktioniert, wie viel das kostet und ob Gewinne auf Aktien und ETFs bald steuerfrei sein könnten, habe ich im Interview mit Johannes Vogel geklärt. Kurzer Disclaimer: Mitglied der FDP bin ich nicht. 

Was ist die Aktienrente?

Die Aktienkultur ist in Deutschland viel zu gering ausgeprägt. Das ist ein großes Problem, auch für die Vermögensschere, so Johannes Vogel. Dabei können Aktien, vor allem als langfristige Anlage, sehr sinnvoll sein!

In Staaten mit demografiefesten Rentensystemen, wie Schweden, den Niederlanden oder der Schweiz, wird viel mehr als in Deutschland auf Aktien gesetzt. Im Gegensatz zu diesen Ländern kommen auf Deutschland starke demografische Probleme zu: Denn die geburtenstarken Jahrgänge gehen bald in Rente. Wie die Rente dann noch finanzierbar sein soll, weiß keine der anderen Parteien, beklagt Vogel. 

Wenn man dann nicht zu schlechten Alternativen, wie einen enorm hohen Beitragssatz für Junge, einem hohen Steuerzuschuss, einer dauerhaften Aussetzung der Schuldenbremse oder einer extremen Erhöhung des Renteneintrittsalters greifen will, braucht man eine Rentenreform! 

Die Aktienrente funktioniert folgendermaßen: Ein Teil der Zahlungen der gesetzlichen Rente fließt in Aktien. Organisiert wird das mit einem staatlichen Non-Profit-Fond, mit dem man zum Beispiel in Schweden schon gute Erfahrungen gemacht hat. Die Aktienrente kann, so die FDP, die Rente und die Staatsausgaben stabilisieren und das Rentenniveau steigern. Davon profitieren dann auch Geringverdiener überproportional!

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Ist die Aktienrente riskant?

Ich, und du vielleicht auch, kennen es noch aus der Schulzeit, dass Aktien, Fonds und so weiter als sehr riskant beschrieben werden. Die Rente dagegen war immer sicher! Ich habe Johannes Vogel gefragt, was denn die Antwort auf diese Bedenken sein soll!

In Deutschland fehlt grundlegendes Wirtschaftswissen beklagt der FDP-Politiker. Denn der Faktor “Zeit” ist bei einer Risikobewertung immer auch relevant. Denn natürlich sind Aktien über einen kurzen Zeitraum relativ riskant. Bei einem langen Anlagezeitraum, zum Beispiel über 30 Jahre, steht allerdings meistens eine hohe Rendite auf dem Papier!

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Bei der Altersvorsorge geht es um genau solchen langen Anlagezeiträume. Aktien sind also in diesem Fall risikoarm – risikoärmer als die Rentenpolitik der Großen Koalition, merkt Vogel an! Denn diese wird sicher an die Wand fahren. Keine Partei kann erklären, wie die jetzige Rente, ohne Reform, in wenigen Jahrzehnten noch finanzierbar sein soll. 

Wie lief die Aktienrente in Schweden?

In Schweden sind Aktien schon seit den 1990er-Jahren Teil der gesetzlichen Altersvorsorge. Wie ist das dort denn gelaufen? Wo früher 100% einfache Umlage standen, fließen heute 2,5% in den AP7, also den schwedischen Non-Profit-Fond. Der Gesamtbeitrag, den alle Menschen zahlen müssen, hat sich allerdings dabei nicht verändert! Heute haben die Schweden hohe Renditen im AP7 erwirtschaftet – ohne mehr einzuzahlen. Das will auch die FDP.

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Zahlen, Daten, Fakten

Die folgenden Grafiken stammen vom Renten- und Finanzexperten Martin Werding. Dieser ist kein unbeschriebenes Blatt, sondern Professor an der Ruhr-Universität Bochum und unter anderem Experte für das Bundesfinanzministerium.

Rentenniveau

Du siehst: Wenn man die aktuelle Rentenpolitik fortführen würde, würde das Rentenniveau konstant sinken. Der Beitragssatz hingegen würde ordentlich ansteigen! 

Haushaltsdefizit reduziert

Die gepunktete grüne Linie hier zeigt die notwendigen Steuerzuschüsse, wenn sich an der Rente nichts ändern würde. Wie du siehst, explodiert die Linie förmlich! Die Schuldenbremse wäre ab 2030 nie wieder einhaltbar. Die gelbe Linie zeigt eine Kombination aus Aktienrente und einer Einwanderungspolitik, die sich an Kanada und Neuseeland orientiert. Schon die Aktienrente reduziert hier den Finanzierungsbedarf, in Kombination mit guter Einwanderungspolitik wäre die Schuldenbremse einhaltbar! Auch das Rentenniveau würde durch die Aktienrente langfristig wieder ansteigen, was du hier an der Grafik erkennen kannst! 

Steigendes Rentenniveau

Wie viel kostet die Aktienrente?

Bis zum Zeitpunkt an dem sich die Aktienrente rentiert, also bis etwa 2030 oder 2040 braucht es für die Aktienrente doch hohe Zuschüsse vom Staat? Wie hoch sollen diese werden, habe ich Johannes Vogel gefragt.

Seine Antwort war klar. Denn für die Rente braucht es so und so hohe Zuschüsse vom Staat. Aktuell sind das über 100 Milliarden Euro. Wenn nichts getan wird, wird die Rente irgendwann unfinanzierbar. Ohne Mühen wird allerdings auch die Einführung der Aktienrente nicht gehen. Denn Deutschland ist damit ordentlich spät dran! 

Es müssen jetzt für ungefähr 10 Jahre zusätzliche Steuerzuschüsse in die Rente fließen, damit die Reform finanziert werden kann. Von den aktuell 18,6% Rentenbeitrag sollen ja künftig 2% in die Rente fließen. Das heißt nur noch 16,6% fließen werden dann direkt in die Umlage gehen. Ein Defizit, was in den ersten Jahren ausgeglichen werden muss, bevor die Aktienrente ihre Früchte trägt! Anfangs wird dieser Defizitausgleich um die 20 Milliarden Euro betragen, er soll aber kontinuierlich sinken, bis er nach 10 Jahren nicht mehr benötigt wird. 

Der Vorschlag wird in der FDP auch von Haushalts-Politikern wie Christian Dürr unterstützt, denn auch wenn erstmal viel Geld in die Hand genommen werden muss, ist eine Reform der Rente unbedingt notwendig! 

Muss ich in den Staatsfonds einzahlen? Ist das Sondervermögen?

Eine wichtige Frage meinerseits ist, ob ich denn in den Staatsfonds einzahlen muss, selbst wenn ich das überhaupt nicht möchte. Außerdem: Kann der Staat dann auf mein Vermögen zugreifen, wenn er das Geld braucht oder zählt das als Sondervermögen?

Ähnlich wie in Schweden soll es einen Opt-Out für den Non-Profit-Fonds geben. Du musst also nicht in diesen Fonds investieren, sondern kannst auch privat anlegen. Bedingung hierfür wird aber sein, dass es sich um Aktien handelt und der Altersvorsorge dient! 

Private Altersvorsorge ist sogar wünschenswert. Denn der Fonds soll mit anderen Anlagemöglichkeiten in Konkurrenz treten und mit ihnen konkurrieren. So wird der besser! Zur zweiten Frage: Die Aktienrente ist sogar mehr als Sondervermögen. Es wird sich hier um dein persönliches Eigentum handeln, wie, wenn du selbst privat investierst! Die Anlagepolitik soll von Profis ohne politischen Anspruch gemacht werden!

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Werden Aktien, ETFs und Fonds steuerfrei?

Wird denn durch die Aktienrente auch die private Konkurrenz auch Aktien, ETFs und Fonds nach einer gewissen Haltedauer steuerfrei oder bleibt es beim Freibetrag von 801 Euro?

Hier will die FDP trennen zwischen aktienbasierter Altersvorsorge und Aktiensparen auf anderer Basis. Ähnlich wie der amerikanische 401(k) will die Partei auch eine aktienbasierte Basis für die private und betriebliche Altersvorsorge schaffen. Einzahlungen in diese Altersvorsorge sollen steuerfrei bleiben! Entnahmen und Auszahlen werden mit der ganz normalen Einkommenssteuer besteuert.

Aber auch abseits davon soll die Aktienkultur in Deutschland gefördert werden! Viele Geringverdiener werden durch die Aktienrente zum ersten mal Investoren. Das langfristige Ziel sollte sein, dass alle Deutschen zu Aktionären und Eigentümern werden! Daher will die FDP die Steuerfreiheit nach Spekulationsfrist wieder einführen und den Sparer-Pauschbetrag erhöhen, damit auch eine Dividendenstrategie sich lohnt!

Über unseren Autor

Aleks Bleck ist das Gesicht von Northern Finance und war schon mit 18 Jahren Aktionär, Kreditgeber und ETF-Investor. Sein Fokus liegt dabei auf P2P-Krediten und passiven ETFs. Aleks hat Northern Finance 2017 während seines BWL-Studiums in Lüneburg gegründet.

Den YouTube-Kanal baute er neben seiner Haupttätigkeit im Investment- und Corporate Banking auf, bevor er sich dann letztendlich Vollzeit auf Northern Finance fokussierte.

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