Evergrande: Die nächste Finanzkrise kommt auf uns zu

Evergrande: Die nächste Finanzkrise kommt auf uns zu

Der Welt könnte erneut eine Pandemie aus China bevorstehen. Diesmal jedoch keine gesundheitliche, sondern eine finanzielle. Evergrande schlittert gemeinsam mit dem gesamten chinesischen Immobilienmarkt aktuell in eine Insolvenz. Wieso es zu dieser Krise gekommen ist und was das für Anleger bedeutet, das erfährst du in diesem Artikel.

Darum geht’s:

  • Welche Rolle spielt Evergrande in der aktuellen Immobilienkrise in China?
  • Wie mache ich mit meinen Investments in China weiter?
  • Und was passiert, sollte China die Immobilienkrise nicht überwinden können?

Der Skandal rund um Evergrande

Seit Herbst 2021 bahnt sich beim zweitgrößten chinesischen Immobilienentwickler Evergrande die Insolvenz bzw. Zahlungsunfähigkeit an. 

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Diese Entwicklung sich fort, ohne dass jegliche Information seitens des Unternehmens, preisgegeben werden. Es ist also immer noch ungewiss, ob die Schulden nun beglichen werden können oder nicht. 

Im Juli 2022 wollte Evergrande einen Restrukturierungsplan vorlegen, was letzten Endes jedoch nicht passiert ist. Kurz darauf sind der CEO und CFO der kommunistischen Partei wegen Veruntreuung im Gefängnis gelandet. 

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Diese Nachrichten erinnern auf den ersten Blick an den Wirecard Skandal und niemand weiß so genau, wie es jetzt weiter gehen wird. 

Auswirkungen der Immobilienkrise auf den Aktienmarkt

Evergrande verwaltet mehr als 1.300 Projekte in mehr als 280 chinesischen Städten. Für diese Projekte fallen momentan Schulden in Höhe von 300 Mrd. Dollar an, die das Unternehmen begleichen muss, aber nicht kann.  

Die aktuelle Krisensituation bei Evergrande hat natürlich auch enorme Auswirkungen auf den Aktienmarkt, wo derzeit der Aktienkurs der chinesischen Immobilienentwickler massiv fällt. 

Der Fall der chinesischen Immobilienentwickler an der Aktie ist deshalb besorgniserregend, da diese tatsächlich ein Drittel des gesamten Bruttoinlandsproduktes Chinas ausmachen. Die Wirtschaftsleistung ist demnach stark abhängig vom Immobiliensektor. 

Aktuell werden durchschnittlich 49 % weniger Immobilien verkauft als noch im Jahr zuvor. Das zeigt deutlich, dass große Verunsicherung in China herrscht und derzeit kaum in Immobilien investiert wird.

Was passiert, sollten die Immobilienkredite nicht zurückgezahlt werden?

Zu all dem kommt, dass auch die Banken in China stark abhängig vom Immobilienmarkt sind, denn auf Immobilien haben Banken in der Vergangenheit gerne Kredite verliehen. Nicht zu Unrecht hört man daher bereits seit längerem, dass China in einer Immobilienblase steckt. 

Sollte es der chinesische Immobilienmarkt nicht schaffen, seine Kredite bei den Banken zurückzuzahlen, so stünde China einem Kreditverlust von 350 Mrd. Dollar entgegen. Das ergab eine Studie der S&P Research Global – eine der größten Ratingagenturen der Welt. 

Was bedeutet die Krise für Immobilienbesitzer?

Die sinkenden Kurse für Immobilien am Aktienmarkt führen nun auch dazu, dass die Preise für Immobilien in immer mehreren chinesischen Städten von Monat zu Monat sinken. 

Diese Entwicklung ist vor allem für Immobilienbesitzer relevant, die ihre Immobilien mit einem hohen Anteil an Fremdkapital finanziert haben. Denn aufgrund der Preisminderung, von der chinesische Immobilien aktuell betroffen sind, sinkt auch deren Wert. 

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Das kann jetzt dazu führen, dass Banken kurzerhand ihre Kreditnehmer anrufen und sie dazu auffordern, zusätzliches Eigenkapital aufzubringen. Denn die hinterlegte Sicherheit steht in vielen Fällen nicht mehr im Verhältnis zum Risiko einer möglicherweise wertlosen Immobilie. Haben Kreditnehmer Pech, kann es auch prompt zu einer Zwangsversteigerung kommen. 

Aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass es in China in naher Zukunft vermehrt zu Privatinsolvenzen kommen wird und in den kommenden Monaten im Allgemeinen weniger konsumiert wird. Somit würde das Wirtschaftswachstum in China sinken – ein Markt, der im letzten Quartal nur knapp an einer Rezession vorbeigeschlittert ist. 

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Chinesische Bürger leiden aktuell doppelt

Als wäre die aktuelle wirtschaftliche Lage nicht bereits prekär genug für die chinesische Bevölkerung, so können viele Bürger seit Monaten auch kein Geld mehr von der Bank abheben. Das führt in letzter Zeit häufig zu den sonst selten vorkommenden Protesten im Land. 

Auch die chinesischen Behörden haben bewiesen, dass sie vor Korruption nicht zurückschrecken. Neulich haben sie die QR-Codes, die für das Betreten von Gebäuden in China benötigt werden, bei Bankkunden kurzerhand auf Rot geändert. Der Aufschrei auf den sozialen Medien war dementsprechend groß.

Das alles sorgt für großen Druck auf den chinesischen Präsidenten Xi Jingpin, der im November beim 20. Nationalkongress der kommunistischen Partei wiedergewählt werden und so seine 3. Amtszeit antreten will. Möglicherweise wird es genau aus diesem Grund für sowohl Sparer als auch aktuelle Immobilienkäufer eine Finanzspritze geben, um die aktuelle Stimmung zu beruhigen. 

Mal sehen, ob das so einfach wird, betrachtet man den Aspekt, dass sich bereits in über 90 Städten Immobilienkäufer dazu entschieden haben, ihre Kreditraten nicht mehr zahlen, bis nicht auch die Immobilie fertiggestellt ist – verständlich. 

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Meine Anlage-Strategie in der Immobilienkrise

Sollte die aktuelle Immobilienkrise in China voranschreiten, so könnte das auch direkt Folgen auf die USA und die gesamte Weltwirtschaft haben. Denn weniger Konsum in China führt auch zu weniger Konsum im Ausland. Und das hat auch direkte Auswirkungen auf das Depot deutscher Anleger.

Aufgrund der wirtschaftlich düsteren Aussichten Chinas ist der chinesische Aktienmarkt aktuell sehr günstig. Diese Situation nutze ich zu meinen Gunsten und investiere weiterhin mit einer 50/50-Strategie in einerseits die entwickelten Länder (Developed World) und andererseits die Schwellenländer (Emerging Markets), zu denen auch China zählt. 

Dementsprechend bekomme ich aktuell sehr viele chinesische Aktien sehr günstig. So sind unter anderem die A-Aktien, die an den zwei größten chinesischen Börsen notiert sind, um ganze 16 % seit Jahresanfang gefallen. Alleine im August gab es hier einen Verlust von 8,6 %. 

Im selben Zeitraum haben Aktien in Amerika einen starken Gewinn verzeichnet. 

Doch ich denke, dass diese gegensätzliche Entwicklung nicht mehr lange anhalten wird, denn kommt der chinesische Aktienmarkt erst einmal so richtig ins Leiden, so wird das auch unvermeidbare Auswirkungen auf den amerikanischen Aktienmarkt haben. Und dann wird sie kommen, die finanzielle Pandemie.

Fazit: Chinas Immobilienmarkt kann alles verändern

Sollte China es nicht schaffen, seine Immobilienkrise zu bewältigen, so wird sich diese finanzielle Krise vorerst auf weitere Branchen in China ausweiten und schließlich auch auf die weltweiten Märkte wie Europa und Amerika. Sollte China, einer der größten Exporteure und Importeure weltweit, auf einmal einbrechen, so würde das in direkter Folge negative Auswirkungen auf die globalen Aktienmärkte haben. Ich bleibe meiner Investitions-Strategie dennoch treu und werde vielleicht sogar weitere Anteile in meines Emerging Markets ETF kaufen, sollte der Kurs in den kommenden Monaten noch weiter sinken. Ich bin gespannt, ob es sich lohnen wird!

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Über unseren Autor

Aleks Bleck ist das Gesicht von Northern Finance und war schon mit 18 Jahren Aktionär, Kreditgeber und ETF-Investor. Sein Fokus liegt dabei auf P2P-Krediten und passiven ETFs. Aleks hat Northern Finance 2017 während seines BWL-Studiums in Lüneburg gegründet.

Den YouTube-Kanal baute er neben seiner Haupttätigkeit im Investment- und Corporate Banking auf, bevor er sich dann letztendlich Vollzeit auf Northern Finance fokussierte.

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